
Vertreter des Aktionsbündnisses für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen überreichten am Dienstag, den 14. September im Kloster Altzella eine Petition an den Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Steffen Flath. Mit ihrer Unterschrift auf der Petition sprechen sich die 4600 Unterzeichnenden für die Erhaltung einer gentechnikfreien Landwirtschaft in Sachsen aus.
Nikola Burgeff, Bauer vom Hof Mahlitzsch, brachte stellvertretend für die vielen im Bündnis vereinigten sächsischen Bauern, Unternehmen und Verbraucher- und Umweltschützer mit seinem erntedank-geschmückten Traktor die Unterschriftenlisten sowie frische und gentechnikfreie sächsische Ernteprodukte der Ernte 2004 zum Kloster Altzella in Nossen.
Dort erfolgte um 19.30 Uhr die Übergabe unmittelbar vor einer Wahlkampfveranstaltung mit der CDU-Landtagsabgeordneten Karin Strempel.
"Ich nehme die Unterschriften von besorgten Bürgern und besorgten (Bio-) Bauern ernst," sagte Steffen Flath während der Übergabe. Auf die Frage mit welcher Entwicklung er im Hinblick auf die Einführung von Gentechnik in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren rechne äußerte Flath: "Wenn ich Deutschland so anschaue, werden die Diskussionen noch eine Weile andauern". Mit dem Einzug der Gentechnik sei laut Flath in der sächsischen Landwirtschaft in den nächsten Jahren nicht zu rechnen, zumal aufgrund der aktuellen Gesetzgebung das Risiko für Anwender zu groß sei.
Das Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Sachsen lud innerhalb der Leipziger Umwelttage 2004 zu verschiedenen Informations- und Protestveranstaltung zum Thema Gentechnik im Essen“.
„Genfood - Nein Danke! Stoppt Gentechnik auf unseren Feldern!“ hieß es am 7. Juni bei der Montagsdemo gegen Gentechnik im Essen. Dazu hatten Greenpeace Leipzig, attac, der Ökolöwe, Biohändler und Biobauern aus der Umgebung um 17 Uhr an die Nikolaikirche in der Leipziger Innenstadt eingeladen. Dort gab es im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet eine zweistündige Protest- und Infoaktion. Höhepunkt der Aktion war der Erste Leipziger Pollenflugversuch, einer symbolischen Aktion gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft. Die Demonstranten ließen um 18.30 Uhr gleichzeitig Hunderte von gelben und schwarzen Luftballons in den Leipziger Abendhimmel steigen. Die Aktion sollte zeigen wie unkontrollierbar weit sich die Pollen von Gentechnik-Pflanzen wirklich ausbreiten können, wenn man sie erst mal freisetzt. Eine Koexistenz von Gentechik-Landwirtschaft und gentechnikfreiem Landbau ist nicht wirklich möglich. Die Forderung der Demonstranten war deshalb: Sachsen soll gentechnikfrei bleiben! Noch ist es nicht zu spät! Außerdem wurden Unterschriften für die Petition für den Erhalt einer gentechnikfreien Landwirtschaft in Sachsen gesammelt.
Unter dem Motto „Gentechnik im Essen – Chance oder Risiko“ wurde am 10. Juni ab 19 Uhr in der Leipziger Moritzbastei zunächst der Film „Krieg ums Essen“ (eine Produktion des SWR) gezeigt. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion mit Experten: Dr. Wolfram Junghanns, Saatgutzüchter aus Sachsen-Anhalt und Dr. Frank Augsten vom BUND. Zu der Veranstaltung waren auch Vertreter der Gentechnik-Industrie bzw. Gentechnik-Forschung geladen. Trotz wochenlanger Anfragen bei Gentechnik-Firmen wie syngneta und sungene, deren Industrieverband, bei Professoren an Hochschulinstituten in Sachsen-Anhalt, die u.a. die derzeitigen Freisetzungsversuche begleiten, war niemand gekommen, der mit Kompetenz die Position der Gentechnik-Befürworter auf dem Podium vertreten wollte. Frank Augsten vom BUND vertrat eine kritische Positionen zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft und wies unter anderem auf die ungeklärten langfristigen ökologischen und gesundheitlichen Folgen dieser Risikotechnologie ebenso hin wie auf die ungeklärten Probleme der Koexistenz von Gentechnik- und gentechnikfreier Landwirtschaft. Wolfram Junghanns vertrat aus seiner fachlichen Sicht als Saatgutzüchter eine differenzierte, zugleich aber auch durchaus kritische Position gegenüber der Agrogentechnik. Moderiert wurde die Veranstaltung von Doris Kothe, freie Journalistin aus Leipzig.
Den Abschluss der Aktionswoche bildete am Sonntag dem 13. Juni 2004 die Ökofete, das traditionelle Leipziger Umwelt- und Kulturfest im Clara-Park mit ca. 5.000 Besuchern. Die Veranstaltung wurde diesmal vom Thema Gentechnik dominiert wurde: Greenpeace und der Ökolöwe hatten Infostände für Verbraucher aufgebaut und gaben Informationen zum Thema Gentechnik in Nahrungsmitteln. Am Eingang des Veranstaltungsplatzes stand der Riesen-Gen-Maiskolben des BUND Außerdem gab es einen großen Biobauernmarkt mit Bioanbietern aus der Leipziger Region. Hier konnten die Besucher garantiert gentechnikfreie Produkte kaufen.
Höhepunkt der Ökofete war um 16.30 Uhr im Anschluss an eine Gentechnik-Performanz der Greenpeace-Jugendgruppe Grimma der Zweite Leipziger Pollenflugversuch gegen Gentechnik in der Landwirtschaft, an dem sich mehrere Hundert Leipziger Bürger mit ihren Kindern beteiligten.
Insgesamt wurden während der Aktionswoche ca. 300 Unterschriften für die Petition zum Erhalt einer gentechnikfreien Landwirtschaft in Sachsen gesammelt.
Berichte über die Aktionen gab es in den lokalen Radios, im Leipzig-Fernsehen, in der lokalen Wochenzeitung „hallo“ sowie auch in der „Leipziger Volkszeitung“.
Im Hörsaal, in dem schon im September die denkwürdige Informationsveranstaltung zum Pillnitzer Genapfelexperiment stattfand, hatten sich mehr als 100 Besucher eingefunden, neben Studenten aus Pillnitz und der Tharandter Forstfakultät waren auch interessierte Dresdner dabei.
Prof. Rheinbaben von der HTW Dresden sollte zu "Gentechnik und Bodenorganismen" referieren, sein Vortrag beinhaltete jedoch eine detailverliebte und streckenweise demagogische Darstellung gentechnischer Anwendungen in der Mikrobiologie. Auch seine Antworten in der anschließenden Diskussion waren nicht dem Niveau der Veranstaltung angemessen.
Frau Prof. Hanke von Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Thema hieß "Biologisch Grundlagen der Gentechnik". Die geplante Redezeit von 20 Minuten dehnte sie auf über eine Stunde aus und erläuterte ihre Ansichten, alles Leben auf vier Buchstaben zurückzuführen und diese mittels Gentechnik neu kombinieren zu können. Sie bezog auch Risikobetrachtungen ein. In der Diskussion konnte sie auch eingestehen, dass der Wissensstand zu genetischen Vorgängen noch Lücken aufweist.
So wurde die Zeit für unsere Vetreterin, Frau Dipl.-Chem. Müller vom Umweltbildungshaus Johannishöhe Tharandt "Gentechnik und Koexistenz anderer Landbauformen (mögliche Auswirkungen)" recht knapp, nach über zwei Stunden Veranstaltung ließ die Konzentration des Publikums im schlecht klimatisierten Saal stark nach. Sie straffte ihren Vortrag und beschränkte sich auf ethische Aspekte der Gentechnik und auf die durch Gentechnik drohende Verringerung der Artenvielfalt und deren Auswirkungen auf den Bestand der Menschheit.