Leipzig - gentechnikfrei
Eigene Internetpräsentation des lokalen Bündnisses
Das lokale Leipziger Aktionsbündnis hat jetzt eine eigene Internetpräsentation auf |www.leipzig-gentechnikfrei.de|
Gentechnikfreie Stadt Leipzig 2005
Auftaktveranstaltung
|Einladung zur Auftaktveranstaltung als Download| (68 kB, pdf-Datei)
Am 9. Juni 2005 - 17 Uhr vor dem Neuen Rathaus Leipzig findet die öffentliche Vorstellung des Aktionsprogramms "Gentechnikfreie Stadt Leipzig 2005!" statt
Dabei gibt es die Enthüllung eines neuen Leipziger Ortseingangsschildes auf den Treppen des Leipziger Rathauses.
Aktionsprgramm des Leipziger Bündnisses
|Das Aktionsprogramm zum Download| (126 kB, pdf-Datei)
Der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft birgt in ihren mittel- und langfristigen Folgen noch kaum erforschte Risiken. Der Umgang mit einer solchen Risikotechnologie bedarf deshalb strenger gesetzlicher Regelungen. Diese müssen sich an der Wahrung folgender menschlicher Zukunftsinteressen orientieren:
- Bewahrung der Schöpfung im Sinne der globalen biologischen Vielfalt
- Schutz der Gesundheit der Menschen
- Langfristige Existenz der gentechnikfreien Landwirtschaft
Das 2004 verabschiedete deutsche Gentechnikgesetz sieht Regelungen zum Schutz konventioneller sowie ökologischer Landwirtschaft vor. Breiten sich jedoch gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in der freien Natur aus, können sie unkontrollierbare, nicht umkehrbare ökologische Folgewirkungen verursachen. Da die Risiken der Agro-Gentechnik für den Menschen und das Ökosystem nicht absehbar sind, sollten nur gentechnikfreie Nahrungsmittel hergestellt werden und zum Verbraucher gelangen. Gentechnisch produzierte Lebensmittel sind weder günstiger noch gesünder, sie dienen vielmehr nur der Gewinnmaximierung global agierender Gentechnikkonzerne. Wie neueste wissenschaftliche Langzeit-Studien belegen, ist auch die von der Gentechnik-Industrie versprochene Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes durch Agro-Gentechnik nicht eingetroffen.
Wir – die Unterzeichner dieses Aufrufes – sehen uns in der Verantwortung, zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen beizutragen und engagieren uns deshalb für eine gentechnikfreie Stadt Leipzig einschließlich ihres Umlandes. Um dieses Ziel zu erreichen setzen wir folgende Aktionsschwerpunkte:
- Wir möchten erreichen, dass sich die auf dem Stadtgebiet bzw. auf stadteigenen Flächen arbeitenden Landwirte verbindlich verpflichten, keine gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen. Auf Initiative der PDS hat der Leipziger Stadtrat am 18. Mai diesen Jahres mit den Stimmen von PDS, Bündnis 90/Die Grünen und Teilen der SPD beschlossen, bei der Neuverpachtung von stadteigenen Flächen Pächter zu bevorzugen, die auf die Verwendung von transgenem Saatgut verzichten und bei bereits laufenden Pachtverträgen mit den Pächtern einen solchen Verzicht zu vereinbaren. Darüber hinaus strebt die Stadt Leipzig an, mit allen landwirtschaftlichen Grundbesitzern einen rechtsverbindlichen Vertrag zum Verzicht auf die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen zu schließen. Wir unterstützen mit Nachdruck diesen Beschluss des Stadtrates, der damit dem Beispiel hunderter anderer Kommunen in ganz Europa, so in Italien, Frankreich, Großbritannien und auch in Deutschland folgt. Wir werden auf die schnellstmögliche Umsetzung dieses Beschlusses achten. Wir setzen uns darüber hinaus dafür ein, dass in einem zweiten Schritt auch die Leipziger Umlandkommunen (Grüner Ring Leipzig) in das Projekt einer gentechnikfreien Landwirtschaftsregion Leipzig einbezogen werden. Wir möchten Bauern aber auch Grundeigentümer wie die Kirchengemeinden des Umlandes mit Informationsveranstaltungen dafür gewinnen, sich an einer großflächigen gentechnikfreien Region Leipzig zu beteiligen. Nur so kann der Pollenflug von „Genfeldern“ aus der Nachbarschaft ausgeschlossen werden. Landwirte brauchen zudem vollkommene Sicherheit hinsichtlich der Gentechnikfreiheit des von ihnen eingekauften Saatgutes, um verlässlich gentechnikfreie Lebensmittel für die Verbraucher erzeugen zu können.
- Die Fütterung von Tieren muss mit Produkten erfolgen, die eine absolut gentechnikfreie Herkunft aufweisen. Zweifelhafte Futtermittel aus Ländern, in denen die Kontrolle auf Gentechnikfreiheit nicht entsprechend abgesichert ist, sind bei der Viehfütterung abzulehnen. Nur so kann der Verbraucher sicher sein, dass er auch über diesen „Umweg durch das Tier“ gentechnikfreies Essen erhält. Deshalb fordern wir von den politisch Verantwortlichen im Land, im Bund und in der EU eine Kennzeichnungspflicht für tierische Produkte wie Fleisch, Wurst, Milch und Molkereiwaren, so dass für den Verbraucher erkennbar wird, ob bei der Tierfütterung gentechnisch veränderte Futtermittel eingesetzt wurden. Zugleich wollen wir die Landwirte der Leipziger Region dafür gewinnen, in ihren Betrieben nur gentechnikfreies Futter einzusetzen. Die beiden Mühlenbetriebe im Stadtgebiet – die Mühlen in Stahmeln und Engelsdorf – sollten sich verpflichten, kein gentechnisch verändertes Soja und Getreide zu verarbeiten.
- Produktverarbeitende Gewerbebetriebe – hier insbesondere die Bäckereien in Leipzig – müssen bei der Auswahl ihrer Grundzutaten sicherstellen können, dass diese von gentechnikfreien Feldern kommen. Gerade die Bäcker-Innungsbetriebe tragen wesentlich zur Grundversorgung der Verbraucher bei. Wir wollen uns deshalb dafür einsetzen, dass möglichst viele Leipziger Bäckereien in einem ersten Schritt eine Selbstverpflichtung eingehen, nur mit gentechnikfreien Getreideprodukten zu backen. In einem zweiten Schritt sollten sie auch darauf achten, dass die in der Bäckerei verwendeten Ei- und Milchprodukte von Tieren stammen, die gentechnikfrei gefüttert werden. Bäcker, die sich an der Aktion beteiligen, können mit gesonderten Aushängen die Gentechnikfreiheit ihrer Qualitätsprodukte bewerben. In diesem Zusammenhang sind auch die Mühlen im Stadtgebiet gefragt, garantiert gentechnikfreie Mehle anzubieten.
- Wir wollen möglichst viele Restaurants, Caterings, Mensen und Kantinen in Leipzig dafür gewinnen, nur gentechnikfreie Lebensmittel (gentechnikfrei im Sinne des geltenden Gesetzes) zu verarbeiten und ihren Tischgästen anzubieten. Begonnen werden sollte mit der Verpflichtung zur Gentechnikfreiheit bei pflanzlichen Produkten. In einem zweiten Schritt sollten die Verpflegungsunternehmen und Gastronomiebetriebe dafür gewonnen werden, auch beim Bezug von Fleisch und Milchprodukten darauf zu achten (und ihre Lieferanten darauf zu drängen), dass die betreffenden Lebensmittel ohne den Einsatz von genmanipuliertem Futter erzeugt worden sind. In diesem Zusammenhang kann das Bewusstsein der ohnehin schon kritischen Verbraucher noch weiter entwickelt werden. Von der Stadt Leipzig fordern wir, in ihren eigenen Institutionen dafür Sorge zu tragen, dass hier nur gentechnikfreie Lebensmittel angeboten werden: sei es in der Rathauskantine, in den Betriebsrestaurants der kommunalen Unternehmen und ganz besonders in der Kinder- und Schülerspeisung. Die Garantie von Gentechnikfreiheit muss in die Ausschreibungsbedingungen für die Vergabe der Kinder- und Schulverpflegung an Cateringunternehmen aufgenommen werden.
- Für die Universität Leipzig fordern wir einen Lehrstuhl für Risiko-Gentechnik. Leipzig kann als Forschungs- und Entwicklungsstandort im Bereich der Naturwissenschaften und der Biotechnologie bereits jetzt schon einiges an Kompetenzen aufweisen. Darauf ist aufzubauen. Denn insgesamt wissen wir immer noch zu wenig darüber, wie Gene im Einzelnen z. B. den Stoffwechsel beeinflussen. Die Lehre und Forschung zu diesen und anderen Fragen muss jedoch – anders als die bisher gängige Praxis – unabhängig von aus der Industrie stammenden Geldmitteln erfolgen. Nur so ist ein wirklich unvoreingenommenes Forschungsdesign in Bezug auf die Analyse von Risiken der Agro-Gentechnik zu erwarten. Zur Zeit gibt es ein gravierendes Forschungsungleichgewicht zwischen industriefinanzierter Gentechnikforschung und einer kritisch begleitenden unabhängigen Risikoforschung zu diesem Thema. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand laufen wir Gefahr, künstlich veränderten Lebewesen Tür und Tor für eine gewaltige Veränderung der ohnehin schon angeschlagenen Ökosysteme zu öffnen. Die Universität Leipzig muss sich auf den Weg machen, einen solchen Lehrstuhl für Risiko-Gentechnik einzurichten und sich zu dessen Finanzierung auch an das Land Sachsen und das Bundesforschungsministerium zu wenden. Zugleich muss das Thema „Agro-Gentechnik als Chance oder Risikotechnologie?“ auch zum Gegenstand universitätsweiter Veranstaltungen wie der Semester-Ringvorlesung oder des Studium Generale werden.
- Mit Aktionen und Informationsständen auf großen öffentlichen Veranstaltungen und Märkten in Leipzig, wie Stadtteilfesten, Verbrauchermärkten, der Ökofete usw. wollen wir das Thema „Gentechnikfreie Stadt Leipzig“ ins öffentliche Bewusstsein bringen. Darüber hinaus möchten wir die in der Stadt aktiven großen Medienunternehmen wie den MDR und die Leipziger Volkszeitung dafür gewinnen, ein hochkarätig besetztes Gesprächsforum zu Chancen und Risiken der Agro-Gentechnik zu organisieren.
Wir fordern alle Verbraucher auf, bei ihren Lebensmittelhändlern nachzufragen, ob diese ein konsequent gentechnikfreies Angebot haben. Wir bitten alle kritischen Verbraucher, uns über die Geschäfte und Supermärkte in der Stadt zu informieren, die noch immer gentechnisch veränderte Produkte anbieten (diese Produkte müssen seit April 2004 laut Gesetz mit einem Hinweis gekennzeichnet sein). Unser E-Mail-Kontakt für solche Hinweise lautet: gegen-gentechnik@gmx.de. Durch Publikation wollen wir die betreffenden Lebensmittelgeschäfte dazu bringen, auf ein gentechnikfreies Angebot umzustellen, so dass kein Kunde Gefahr läuft, aus Unkenntnis oder im Stress des Alltags Genprodukte zu kaufen. Darüber hinaus möchten wir Saatgutanbieter und Verbraucher schon jetzt dafür sensibilisieren, auch in Zukunft keine gentechnisch veränderten Zier- und Nutzpflanzen in Haus und Garten einzusetzen.
Wir in Leipzig wollen vorangehen, um für den nachhaltigen Schutz der Natur zu sorgen, um die Rechte der Verbraucher zu stärken und um die Landwirtschaft und die Lebensmittelverarbeiter zukunftsorientiert im Sinne der Nachhaltigkeit zu schützen. Das Thema „gentechnikfreie Landwirtschaft“ muss Teil des Leipziger AGENDA-Prozesses werden.
Leipzig ist 2005 Spielort des Confederation-Cups und 2006 der Fussball-WM. Sport und Doping gehen nicht zusammen. Essen und Gen-Doping auch nicht. Deshalb wollen wir alles tun, dass Leipzig bis zur WM im nächsten Jahr in punkto „Genfood“ sauber ist.
Das Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Stadt Leipzig
Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e. V., Greenpeace Leipzig, Naturschutzbund - Kreisverband Leipzig, Bündnis 90 / Die Grünen - Kreisverband Leipzig, PDS - Kreisverband Leipzig, Eine Welt e. V., BUND Leipzig, StudentInnenRat der Universität Leipzig, Verbraucherinitiative gegen Gentechnik in Lebensmitteln und Landwirtschaft und engagierte Bürger dieser Stadt.
Kontakttelefon des Aktionsbündnisses: Tel. 0341-3065381 (Ökolöwe)
Weitere Informationen unter www.sachsen-gentechnikfrei.de und www.oekoloewe.de